01. Januar 2011
Einführung in den Brief an Philemon
Der Philemonbrief ist der kürzeste und persönlichste Brief des Apostels Paulus. Paulus schrieb ihn im Gefängnis (ca. 60 n. Chr.). In diesem Brief geht es um Onesimus. Dieser war ein Sklave Philemons, eines gläubigen und wohlhabenden Mannes und führenden Gliedes der Gemeinde in Kolossä, in dessen Haus die Gemeinde zusammenkam. Paulus gab diesen Brief Tychikus, in dessen Begleitung Onesimus mitreiste, zusammen mit den Briefen an die Epheser und die Kolosser von Rom aus mit, d.h. Tychikus übergab den persönlichen Brief an Philemon und den Brief an die Gemeinde in Kolossä zur gleichen Zeit. Onesimus war seinem Herrn entlaufen, in Rom Paulus begegnet und durch diesen zum Glauben gekommen. Nun sandte Paulus ihn zurück, damit er seinen Rechtsbruch in Ordnung brächte. Damit ging er über das Alte Testament hinaus, in welchem der geflohene Sklave nicht ausgeliefert wird (5.Mose 23,16f). Jedoch legte Paulus in seinem Brief Fürsprache für Onesimus ein. Er zwang Philemon nicht, diesen frei zu lassen, sondern appellierte an ihn, aus Glauben und Liebe eine gute Entscheidung zu treffen. Aus diesem Brief fällt grundlegend ein Licht auf das Verhältnis von Herrn und Knecht. Der eine wie der andere ist für sein Tun dem wahren Herrn verantwortlich. Untreue und Auflehnung seitens des Sklaven wie auch mangelnde Fürsorge und Brüderlichkeit seitens des Herrn erfordern Buße vor Gott.
Philemon 1-25
Ich bitte dich für meinen Sohn Onesimus
(Phlm 10) So bitte ich dich für meinen Sohn Onesimus, den ich gezeugt habe in der Gefangenschaft,
Weil Philemon ein Mann des Glaubens und der Liebe war, konnte Paulus ihn für Onesimus bitten. „Onesimus“ bedeutet „der Nützliche“. Tatsächlich war er eher ein Nichtsnutz, der seinem Herrn – warum auch immer – entlaufen war. Auf jeden Fall sind beide, Herr und Sklave, durch Paulus´ Hilfe gläubig geworden. Nach seiner Bekehrung wurde Onesimus tatsächlich ein nützlicher Mensch (11). Paulus liebte ihn wie einen Sohn und hätte ihn gerne bei sich behalten. Doch er sandte Onesimus zu seinem Herrn zurück, weil er Philemon nicht zwingen und sich nicht über die geltende Rechtsordnung hinwegsetzen wollte. Beim Evangelium geht es nicht um eine Revolution der sozialen Verhältnisse, sondern um eine Revolution der Herzen. Wenn Philemon Onesimus als Freigelassenen Christi und sich selbst als Knecht Christi identifizierte, dann konnte er ihn als Bruder annehmen (und freilassen). Paulus setzte sich für Onesimus so ein wie Jesus für uns Sünder.
Gebet: Herr, ich will für meine Mitmenschen so herzliche Fürbitte einlegen wie Paulus für Onesimus. Ich will demütig sein und deine Kinder als meine Geschwister ansehen.
Ein Wort: Bitte für die dir anvertrauten Menschen!