Einführung in das Buch Nehemia
Das Buch Nehemia bildet zusammen mit dem Buch Esra eine zusammenhängende Darstellung der ersten Zeit nach der Rückkehr der Juden aus der babylonischen Gefangenschaft. Esra war bereits 458 v. Chr. zurückgekehrt und hatte sich der Aufgabe gewidmet, das geistliche Leben unter den zurückgekehrten Juden zu erneuern. Der Tempel wurde wiederaufgebaut. Doch da die Stadtmauer Jerusalems noch zerstört war, war die Stadt ihren Feinden schutzlos ausgeliefert. Nehemia (= „der Herr hat getröstet“) diente dem persischen König als Mundschenk. Als er von der Lage der heiligen Stadt hörte, ließ er sich im Jahr 444 v. Chr. als Statthalter nach Judäa senden, um die zerstörte Stadtmauer wieder aufzubauen. Er konnte die Juden in Jerusalem und Judäa motivieren, für die Wiederherstellung der heiligen Stadt einmütig zusammenzuarbeiten. Trotz des Widerstandes der feindlich gesinnten Nachbarvölker gelang es, die Stadtmauer in nur 52 Tagen wiederaufzubauen. Dadurch wurde die Identität der Juden als Gottes Volk gestärkt. Auch der geistliche Zustand des Volkes Gottes wurde erneuert. Zwölf Jahre später musste sich Nehemia für einige Zeit am persischen Hof aufhalten. Als er zurückkehrte, fand er verschiedene Missstände als Folge geistlicher Nachlässigkeit vor, um die er sich erneut kümmern musste. Wir lernen durch Nehemia, wie wir als Bauleute des Reiches Gottes Gottes Werk tun sollen. Nehemia zeigt uns die Bedeutung einer Person, die in Gottes Werk Verantwortung übernimmt und andere motiviert. Aber Gottes Werk geschieht auch, indem jeder von ganzem Herzen seinen Teil beiträgt.
Nehemia 1,1-11
Erneuerung beginnt mit Buße und Gebet
(Neh 1,4) Als ich aber diese Worte hörte, setzte ich mich nieder und weinte und trug Leid tagelang und fastete und betete vor dem Gott des Himmels
Nehemia lebte sicher, bequem und in einer angesehenen Stellung am Hof des persischen Königs Artaxerxes. Als Mundschenk besaß er das Vertrauen des Königs. Doch er wurde aus seinem gewohnten Alltagsleben gerissen, als sein Bruder Hanani aus Judäa in die persische Hauptstadt kam. Nehemia erkundigte sich nach seinem Volk. Die Nachrichten waren erschütternd. Bereits mehr als 90 Jahre zuvor waren Juden aus dem babylonischen Exil in ihre Heimat zurückgekehrt. Doch die Stadtmauern der heiligen Stadt Jerusalem lagen immer noch in Trümmern. Das bedeutete großes Unglück und Schmach für Gottes Volk, das schutzlos seinen Feinden ausgeliefert war. Nehemia war betroffen, weinte, trug Leid, fastete und betete zu Gott. Im Gebet bekannte er zunächst die Sünden seines Volkes und seiner Familie und auch seine eigene Schuld vor Gott. Anstatt auf der Seite des Volkes Gottes zu stehen, hatte er für sich selbst gelebt. Nehemia erinnerte sich aber im Gebet an Gottes Verheißung, sein Volk wiederherzustellen, wenn sie zu ihm umkehren. Er betete, dass Gott das Herz des Königs bewegt, der selbst den Wiederaufbau Jerusalems gestoppt hatte. Nehemias Gebet dauerte insgesamt vier Monate.
Gebet: Herr, unser Land liegt geistlich in Trümmern. Schenke mir Buße und Gebet für eine geistliche Erneuerung.
Ein Wort: Bete für eine geistliche Erneuerung!