Einführung zum Buch Habakuk
Sehr wahrscheinlich erlebte Habakuk den Niedergang und
den Fall des assyrischen Reiches mit. Zurzeit, als der assyrische Ein-
fluss in Juda abnahm, fand die Erneuerung unter der Führung Josi-
as statt. Gleichzeitig mit diesen Entwicklungen stiegen die Meder
und die Babylonier im östlichen Teil des Fruchtbaren Halbmondes
zur Macht auf. Es ist möglich, dass Ninive schon vor dem Auftritt
Habakuks als Sprecher Gottes gefallen war. Das Bild der Gewalt,
des Streites und der Abtrünnigkeit, die zurzeit Habakuks so weit
verbreitet war (1,2-4), scheint auf dem Zeitraum, der unmittelbar
auf Josias Tod im Jahre 609 v. Chr. folgte, zuzutreffen. Die Chaldäer
hatten sich noch nicht genügend durchgesetzt, um eine Gefahr für
Juda darzustellen, da sich der Einflussbereich der Ägypter bis zur
Schlacht von Karkemisch (605) bis an den Euphrat erstreckte. Daher
stellen die Jahre zwischen 609 und 605 einen geeigneten Hinter-
grund für die Botschaft Habakuks dar.
Das Zwischengespräch zwischen Habakuk und Gott ist
bemerkenswert. Der Prophet wirft die philosophische Frage über
einen scheinbaren Widerspruch zwischen der tatsächlichen Ge-
schichte und der Offenbarung Gottes auf. Zum Schluss löst er dieses
Problem, indem er seinen Glauben an Gott zum Ausdruck bringt.
Dieses ganze ist auf die Tatsache aufgebaut, dass Gott ein heidni-
sches Volk einsetzt, um sein eigenes Volk zu bestrafen.
1,1-4 Erste Klage; 1,5-11 Gottes Antwort; 1,12-2,1 Zweite Klage; 2,
2-20 Gottes Antwort; 3,1-19 Habakuks Glaubensbekenntnis.
Herr, warum schweigst du?
Habakuk 1,1-17
(Hab 1,13b) Warum siehst du dann aber den Räubern zu und
schweigst, wenn der Gottlose den verschlingt, der gerechter ist als
er.
In unserem Glaubensleben geraten wir in Situationen, die
wir mit unserer Vernunft und Weisheit nicht lösen können. Als Ha-
bakuk die zügellose Gewalt und Ungerechtigkeit in Juda sah, schrie
er zu Gott. „Herr, wie lange soll ich schreien, und du willst nicht hö-
ren?“ „Warum lässt du mich Bosheit sehen und siehst dem Jammer
zu (2.3)?“ Wie konnte ein heiliger und gerechter Gott solch eine
Gesetzlosigkeit und Verdrehung des Rechts tolerieren (1-4)? Gottes
Antwort war schockierend. Er wollte es nicht tolerieren. Er wollte
die unbarmherzigen Babylonier, Männer, deren eigene Stärke ihr
Gott war, als Werkzeug des Gerichts benutzen. Sie sollten Jerusa-
lem zerstören. Dies war daher, weil Gott sein Volk liebte (Hebr 12,
6-13). Gott hatte auf die Klage des Propheten geantwortet, aber
er fragte weiter klagend (12.13). „Warum siehst du dann aber den
Räubern zu und schweigst, wenn der Gottlose den verschlingt, der
gerechter ist als er?“ Gottes Volk war verdorben, aber sie waren
immer noch besser als die Babylonier! Wie konnte der heilige Gott
solch ein Unrecht tolerieren? Die Babylonier waren wie gottlose Fi-
scher. Sie fingen die Völker in ihren Netzen wie Fische. Sie lebten im
Luxus und beteten ihre Netze an. Habakuk sorgte sich um das Recht
und die Gerechtigkeit und ebenso um sein Volk.
Gebet: Stelle gottesfürchtige Menschen auf, die sich um ihr Volk
kümmern und mit dir ringen.
Ein Wort: Gott bestraft, um zu erretten