1.Dezember 08

Gottes Barmherzigkeit ist alle Morgen neu

(Einführung zum Buch der Klagelieder)

 

Das Buch der Klagelieder wird dem Propheten Jeremia zugeschrieben. Er muss es kurz nach der Eroberung Jerusalems (586 v. Chr.) verfasst haben, vermutlich im Winter 585 v. Chr., als die Erinnerung an die Zerstörung noch frisch war. Trotzdem sind die Klagelieder nicht einfach ein spontaner Trauergesang nach einem trauma-tischen Erlebnis. Sie umfassen fünf Lieder, die jeweils eines der Kapitel darstellen. Im hebräischen Original sind sie im so genannten Akrostichon verfasst, das bedeutet jedes Kapitel besteht aus 22 Versen, von denen jeweils die Anfangsbuchstaben das hebräische Alphabet erge-ben. In Kapitel 3 wird das Akrostichon drei Mal wiederholt, es enthält also 66 Verse. Diese Form verwendete man als eine Merkhilfe, sie sollte es erleichtern, einen Text auswendig zu lernen. Die Eroberung Jerusalems war nicht nur eine militärische, sondern vor allem die größte geistliche Niederlage in der Geschichte Israels, indem der Tempel, der Ort wo Gott persönlich anwesend ist, zerstört und geschändet wurde. Wie kann man mit einer solchen totalen geistlichen Niederlage umgehen? Die Klagelieder versuchen, eine Antwort darauf zu geben. Sie zeigen die Sünde als die Wurzel der Niederlage. Inmitten der Klage um die Zerstörung gibt es in Kapitel 3 den Hinweis auf die Güte und Barmherzigkeit Gottes, die alle Morgen neu sind. Da wo Menschen versagen, bleibt Gott treu. Der Weg aus der Niederlage besteht darin, unsere Sünde zu bekennen und uns im Gebet an den treuen Gott zu wenden. 

Schwer ist das Joch meiner Sünden

Klagelieder 1,1-22    

Leitvers 1,14

Dieses Kapitel beginnt mit einer Beschreibung der Zer-störung Jerusalems. Die Stadt ist wie eine Witwe, die von allen Freunden verlassen wurde. Sie ist wie eine Königin, die jetzt Frondienst leisten muss, wie eine unreine Frau, die von allen verschmäht wird. In den Versen 11b-16 und 18-22 kommt die Stadt selbst zu Wort. Sie klagt den Vorübergehenden ihren großen Schmerz. Niemand ist da, der ihr helfen könnte. Sie hat alle ihre Kinder verloren. Die Zerstörung ist jedoch nicht zufällig auf sie gekommen, sondern sie ist von Gott für sie bestimmt. Die Ursache hierfür wird klar genannt (5.8.14.18): es ist ihre Sünde und besonders ihr Ungehorsam gegenüber Gottes Wort. In Vers 14 werden die Sünden mit einem Joch verglichen. Das erinnert uns an Matthäus 11,28+29. Das Joch der Sünde macht unser Leben mühselig und beladen. Wir dürfen aber mit unserem Sündenjoch zu Jesus kommen und unsere Last unter seinem Kreuz ablegen. Dann bekommen wir von Jesus sein sanftes und leichtes Joch, indem wir von ihm lernen und ihm nachfolgen. Das Joch der Sünde macht unser Leben zur Last. Das Joch der Nachfolge macht unser Leben sinnvoll und erfüllt. Das Kapitel endet entsprechend mit einem Gebet, das die Gerechtigkeit Gottes anerkennt und um seine Hilfe bittet.

Gebet: Herr, lass mich mit meinem Joch der Sünde zu Jesus kommen, davon frei werden und das Joch der Nachfolge aufnehmen.

Ein Wort: Das Joch der Nachfolge, nicht das der Sünde